St. Gallus
(Teningen, Köndringen, Nimburg, Heimbach, Landeck)

Bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 759 – mehrere Jahrhunderte früher als seine Nachbargemeinden – erscheint das Dorf Heimbach im Besitz der späteren Benediktinerabtei Sankt Gallen. Hiervon künden bis heute sowohl das Patrozinium der Heimbacher Kirche als auch der das Dorf durchfließende Gallenbach.
Ein an diesem Bach gelegener Gedenkstein erinnert an die uralte, erst 1315 urkundlich genannte und wegen Baufälligkeit um 1800 abgebrochene St. Gallus-Kapelle, die 1486 als die eigentliche Pfarrkirche des Dorfes bezeichnet wurde.
Den im Verlauf des 14. Jahrhunderts errichteten, Unserer Lieben Frau gewidmeten Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche bezeichnete man seinerzeit dagegen als Kapelle. Dieses zweite Heimbacher Gotteshaus hatte die Benediktinerabtei Schuttern (heute Friesenheim) von der ihr unterstehenden Pfarrkirche St. Martin in Köndringen aus zu Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet. Schon Jahrhunderte zuvor, wohl aufgrund eines Verbrüderungsvertrages mit St. Gallen, war die maßgebliche Ortsherrschaft über Heimbach von der Abtei St. Gallen auf die Abtei Schuttern übertragen worden, der auch nach Übergang der Herrschaftsrechte an Familien der Breisgauer Ritterschaft der Kirchen-Zehnte und das Patronat (Besetzung der Pfarrstelle) bis zur Säkularisation verblieben.
Von der urkundlich vor 1360 fertig gestellten spätgotischen Kirche Unserer Lieben Frau ist der Turm bis heute erhalten. Das sich (traditionell in östlicher Richtung) anschließende Langhaus war nicht breiter als der Sockel des Turms und dürfte in Höhe wie Länge wesentlich kleiner als die jetzige Kirche gewesen sein. Die Kirche war vom Dorffriedhof umgeben, der erst auf Weisung der Regierung Kaiser Josephs II. nach 1780 an den Ortsrand verlegt wurde.
Da die (vom neuen Ortsherrn von Gollen nach dem Dreißigjährigen Kriege letztmals wieder instand gesetzte) St. Gallus Kapelle nicht mehr genügte und der Geist der Zeit neue Formen verlangte, haben 1739 bis 1776 die Abtei Schuttern, die Gemeinde Heimbach und deren Ortsherrschaft (Freiherren v. Duminique) nach Abbruch der gotischen Kirche den bis heute einheitlich erhaltenen Barockbau aufgeführt und das Patrozinium des hl. Gallus auf die so entstandene neue Pfarrkirche übertragen.
Der Barock hatte für Kunstwerke früherer Zeit wenig Sinn. So sind vom Inventar der alten Kirche lediglich der unterhalb des Pfarrhauses aufgestellte gotische Taufbrunnen und – dank der der Kirche benachbarten Familie Oeschger, die dies Kleinod durch die Jahrhunderte bewahrte – das um 1500 geschaffene spätgotische Schnitzwerk der Anna-Selbdritt erhalten geblieben.
Auf der rechten Seite des Kirchenschiffs erhöht angebracht zeigt es eine sehr einfühlsam dargestellte hl. Mutter Anna mit der Heiligen Jungfrau Maria auf ihrem Schoß, zu der ein übergroßer lockiger Jesus-Knabe aufschaut.
In gleicher Höhe links gegenüber findet sich eine zweifellos für die 1696 renovierte St. Gallus Kapelle anspruchsvoll geschnitzte Figur des hl. Gallus, die nach deren Auflassung hierher gelangt sein dürfte.
Außergewöhnlich ist die Herkunft des sich auf der linken Kirchenseite gegenüber der Kanzel befindenden großen Ölbildes des gekreuzigten Christus. Vom linken Rahmen her richtet sich eine Lanze mit langer Spitze auf die Seitenwunde Jesu und in deren Mitte zeigt die Leinwand ein Loch. Diese eiserne Lanzenspitze ist mit Golddraht umwickelt und ist ein genaues Konterfei der durch Jahrhunderte den deutschen Kaisern im Kampf vorangetragenen „Heiligen Lanze", die zusammen mit der Kaiserkrone und den anderen Reichsinsignien in der weltlichen Schatzkammer der Wiener Hofburg ausgestellt ist.
Der vormalige Bürgermeister von Schlettstadt im Elsass Hans Wilhelm von Gollen, Gesandter zum Frieden von Münster und Osnabrück (1648) erwarb das stark zerstörte Dorf Heimbach im Jahre 1652. Seine Grabplatte mit Wappen ist über der Tür zur Sakristei zu sehen. Anlässlich der Feiern zum Friedensschluss befand er sich im September 1650 in Nürnberg, wo seinerzeit die Reichskleinodien aufbewahrt wurden. Für seinen lebendigen Glauben spricht es, dass Gollen vom Rat der Reichsstadt Nürnberg die Erlaubnis erbat und erhielt, eigenhändig mit der Heiligen Lanze das in seinem Auftrag gemalte Kreuzigungsbild zu durchstechen. Das gleiche tat noch ein weiterer Gast des kaiserlichen Friedensmahles und das von diesem durchbohrte Kreuz-Bild befindet sich in der Meidlinger Pfarrkriche St. Johann Nepomuk in Wien XII.
Der auf der Rückseite unseres Bildes befindliche selbstbewusste Bericht des Herrn v. Gollen dieser Verwandlung eines Gemäldes in eine quasi-Reliquie befindet sich in Originalgröße an der linken Rückwand der Kirche.
Bis auf die in den letzten Jahrzehnten hinzu gekommenen Kristall-Kronleuchter, Kreuzweg-Bilder und das in barocken Formen gehaltene Gestühl samt dem Zelebrationsaltar ist der lichtdurchflutete Kirchenraum mit schönem Stuck im einheitlichen Stil der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten.
Der Hauptaltar, die beiden Nebenaltäre und wohl auch die Kanzel entstammen der Werkstatt des Endinger Barock-Bildhauers Joseph Amann, der Schnitzer aus Tirol beschäftigte. Die Figuren des Hochaltares, der hl. Papst Urban und der hl. Georg dürften von seiner eigenen Hand sein. Aus Tirol nach Freiburg kam auch der Maler Johann Pfunner, dem die Gemälde aller drei Altäre zu danken sind. Der Hochaltar zeigt den hl. Gallus, den Missionar der Alemannen, mit dem Bären, der ihn beim Bau seiner Einsiedlerzelle unterstützte. Der Heimbacher Schutzpatron gleicht sehr dem Altarbild des Hl. Benedikt (aus dem untergegangenen Kloster Tennenbach) in der Pfarrkirche von Kiechlinsbergen, das Pfunner offenbar zur gleichen Zeit malte. Das Altarblatt ist überhöht von der „Rosenkranzspende" der Gottesmutter Maria an den hl. Dominikus, die in Verbindung mit der 1740 in Heimbach gegründeten Rosenkranz-Bruderschaft zu sehen ist.
Der linke Seitenaltar ist der hl. Mutter Anna gewidmet. Auf dem Altarbild ist die Heilige mit ihrer Tochter, der Gottesmutter Maria und dem hl. Joachim zu sehen. Darüber befindet sich ein Bild der hl. Barbara mit Kelch und Hostie, Patronin der Sterbenden, Artilleristen und Sprengmeister, Nothelferin gegen Blitzschlag.

Das Altarbild des rechten Seitenaltares zeigt den hl. Johannes von Nepomuk, den Märtyrer des Beichtgeheimnisses und ein ausgebesserter Stich durch die Leinwand dürfte von marodierenden Franzosen stammen, die auch im Schloss Porträts in gleicher Weise „ermordeten". Das kleine Oberbild dieses Altares schmückt mit Schwert und Palme die hl. Märtyrerin Katharina von Alexandrien, Schutzpatronin der Philosophen, Wagner und Müller.






