St. Johannes


Der Architekt Heimo Traut gestaltete die am 16.5.1976 geweihte Kirche als Zelt. Mit rund 28 Metern Höhe überragt die Kirche die Hochhäuser in der Umgebung nicht, aber sie ist doch durch ihre markante Form ein Wahrzeichen des Stadtteils Bürkle-Bleiche geworden.
Die Form des Zeltes erinnert an das Gotteszelt der Israeliten auf ihrem Zug durch die Wüste und greift die Formulierung aus dem letzten Buch des Neuen Testamentes, der Offenbarung des Johannes auf: Seht das Zelt Gottes unter den Menschen!
Das Bauwerk besteht aus zwei verschieden großen, gegeneinandergestellten Halbpyramiden, wobei die kleinere ganz aus Beton, die größere ganz aus Holz erstellt wurde. Die große Pyramide bildet das Kirchenschiff mit 450 Plätzen, die kleine beherbergt den Chorraum der Kirche und das Gemeindezentrum mit der Sakristei, dem Gemeindesaal und verschiedenen Gruppenräumen.



Der Tabernakel ist etwas in den Hintergrund gerückt. Zwei Basaltsteine tragen ein mächtiges Aluminiumkreuz, dessen Mitte den Aufbewahrungsort für das Allerheiligste bildet. Zwei Türen verschließen das runde Gehäuse. Die äußere zeigt in Aluminiumguss ein in Dornenzweigen gefangenes Lamm, Sinnbild für Jesus Christus. Öffnet man diese äußere Tür, so erscheint auf der inneren, mit Halbedelsteinen verzierten Bronzetür der Schriftzug „Für das Leben der Welt“. So wird die Lebenshingabe Jesu Christi verbunden mit den im Tabernakel aufbewahrten Hostien. Er lädt uns ein an seinen Tisch. Er will, dass wir das Leben haben.

In einer runden Seitennische findet sich ein Relief, das Maria mit dem Jesuskind abbildet, umgeben von einer Kreisform wie ein großer Heiligenschein. Der Künstler Hubert Bernhard gestaltet eine „nahbare“ Maria, die Gläubigen sind eingeladen für ihre besonderen Gebetsanliegen eine Kerze anzuzünden.
Hier befindet auch ein von den Künstlern Hans-Jörg Raus und Vera Maaßen aus Treibholz gebautes Pult mit dem Totenbuch der Gemeinde. Im Judentum und Christentum gibt es die Vorstellung eines göttlichen Verzeichnisses, ein Buch des Lebens, in dem die Namen der Verstorbenen stehen. Im Hebräischen heißt es das „Buch der Lebendigen“.
Im Buch Jesaja spricht Gott: „Fürchte dich nicht! Ich habe dich beim Namen gerufen. Du gehörst zu mir.“ (Jes 43,1) Das ist unsere Hoffnung: dass Gott um uns weiß, dass er auch im Tod treu ist und uns nicht ins Nichts fallen lässt. Die trauernden Angehörigen finden hier einen Ort des Gedenkens und des Gebets.

Eine Bildwand verkleidet an der Rückseite der Kirche Beichtstuhl und Beichtzimmer. Es ist ein aus verschieden braungefärbten Fichtenbohlen zusammengesetztes Mosaik, das die Heimkehr des verlorenen Sohnes zum barmherzigen Vater darstellt.
Es fällt auf, dass beide, Sohn und Vater einen Heiligenschein tragen. Der Sohn, der sich entscheidet seinen eigenen Weg zu gehen, Irrwege erkennt und es wagt umzukehren, wird so als Vorbild für uns dargestellt. Auch wir sind eingeladen auf die offenen Arme Gottes zu vertrauen.



