St. Marien

 
Filialkirche von St. Gallus

Schon von außen fällt diese Marienkirche durch ihre Schlichtheit auf, was sich im Inneren fortsetzt. Gerade dadurch erzählt diese Kirche ihre Baugeschichte, die eingebettet ist in die Geschichte der ärmlichen Nachkriegsjahre nach dem zweiten Weltkrieg.

Die Gemeinden Köndringen und Teningen waren Diaspora-Gemeinden, die zur Emmendinger Pfarrei St. Bonifatius gehörten. Der damalige Emmendingern Stadtpfarrer Oswald Haug regte die Erbauung einer Kirche in Köndringen an, wozu er 1937 den Bauplatz kaufte. Allerdings konnte der Bau unter der nationalsozialistischen Herrschaft nicht ausgeführt werden. Erst im Jahre 1949 kam es dazu.

Josef Maier, seit 1943 (bis 1970) Pfarrer von St. Bonifatius in Emmendingen, beschreibt den Werdegang: „Die Fuldaer Bischofskonferenz hatte nach dem Krieg in einem Preisausschreiben mehrere Architekten zu einem Entwurf für eine zeitgemäße, materialsparende und doch würdige Kirche aufgefordert. Den ersten Preis dieses Ausschreibens erhielt der Freiburger Architekt Gregor Schröder², von dem auch die Pläne für unser Gemeindehaus [in Emmendingen] und für den Umbau des Emmendinger Pfarrhauses stammen. Die Köndringer Marienkirche ist die erste Ausführung des preisgekrönten Entwurfs. Sie ist schlicht und einfach in der Form, das Mauerwerk aus Hohlblocksteinen zwischen Einsenbetonpfeilern, die eine Kassettendecke aus Holz tragen." (Geschichte der katholischen Pfarrei St. Bonifatius Emmendingen, 1955)

Die Marienkirche wurde in den Jahren 1949 und 1950 gebaut. In der Urkunde im Grundstein vom 9. Oktober 1949 dazu: „Der Bauherr, Stadtpfarrer Josef Maier in Emmendingen, ist der eifrige Förderer des Kirchenbaus und betreut mit den Kaplänen Karl Urban und Pius Enderle die große Diasporapfarrei Emmendingen, die in dieser Kirche ihr zweites katholisches Gotteshaus erhält."

Das Richtfest konnte am Mittwoch, den 28.12.1949, gefeiert werden.

Benediktion (Weihe) der Kirche war am Sonntag, am 08.10.1950, unter großer Beteiligung der kirchlichen und politischen Gemeinde und am Sonntag, den 14.06.1953, die Konsekration durch Erzbischof Wendelin Rauch.

Patronin des Gotteshauses ist Maria, Hilfe der Christen. Ihr Fest ist am 24. Mai. Dieses Patrozinium ist wohl gewählt worden in Erinnerung an die früheren Marienkirchen in Oberteningen (1549) und in Heimbach (1315).

  

Dazu gestaltete der Karlsruher Kunstmaler Otto Stolzer das Altar-Triptychon: Die Schutzmantelmadonna im Mittelbild nimmt (links) die Familien unter ihren Schutz und (rechts) die Unverheirateten. Dabei fällt dort der junge Soldat in grüner Uniform auf mit dem Rosenkranz in den Händen. Es ist der mit 18 Jahren im Krieg gefallene Rudi Staubach, der Sohn des Emmendinger Geschäftsmannes Fritz Staubach, des Stifters des Altargemäldes. Auf dem linken Seitenflügel wird durch die beiden badischen Seligen Bernhard von Baden (links) und Heinrich Suso von Konstanz der Bezug zur Heimat hergestellt. Auf dem rechten Flügel weist der Zisterzienserheilige Bernhard von Clairvaux auf das Kloster Tennenbach hin. Ganz rechts die heilige Elisabeth von Thüringen, die Arme und Bedürftige unterstützte, wie es damals in der Nachkriegszeit auch notwendig war. Deswegen und weil seine Frau Elisabeth hieß, wünschte der Stifter die Darstellung dieser Heiligen.

Der eindrucksvoll in Fresko-Technik auf die Wände gemalte Kreuzweg stammt ebenfalls von Otto Stolzer.

Auf den Tabernakeltüren sind Johannes der Täufer (rechts) und Johannes der Evangelist (links) dargestellt, gestaltet vom Freiburger Silber- und Goldschmied Alfred Erhart.

Die Glocke im kleinen Turm war ein Geschenk der Filialgemeinde Mistelbrunn der Pfarrei Hubertshofen (Mai1950): Stahlglocke, 86 kg, Ton h', gegossen 1918, Gesamthöhe 85 cm. Aber sie musste 1986 ersetzt werden. Roland Ankermann stiftete mitsamt dem Läutewerk eine neue Bronzeglocke, 85 kg schwer, Ton h'', gegossen von der Fa. Rincker in Sinn. Sie trägt die Inschrift: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33)

Im Zusammenhang mit der politischen Gemeindereform bildeten ab 1978 die Ortsteile Teningen, Köndringen und Heimbach, ab 1985 auch Nimburg die gemeinsame Pfarrei Teningen-Heimbach. Und so wurde die Kirche St. Marien die Filialkirche der Pfarrei St. Gallus und somit eine Kirche für die Katholiken der Gesamtgemeinde Teningen. Im Jahre 2004 (am 8.2.2004) schloss sich die Pfarrei St. Gallus mit den beiden Emmendinger Pfarreien zur Seelsorgeeinheit Emmendingen-Teningen zusammen.

Die erste große Renovierung der Kirche (neue Heizung, Malerarbeiten) war 1984. Nach und nach wurde die noch spärliche Ausstattung der Kirche ergänzt. 1987 entstand in der Nische über dem Haupteingang das von Hilde Klingler gestiftete Marienbild, mit Acryl-Farben gemalt vom Köndringer Künstler Richard Braun.

Er bearbeitete auch bei den Malerarbeiten der Innenrenovierung die Kreuzwegbilder und restaurierte die Marienstatue, die von Heimbach nach Köndringen „übersiedelte“ und nun den Seitenaltar dieser Marienkirche ziert.

Auch das anfängliche Harmonium sollte ersetzt werden. So konnte durch eine Spendenaktion 1993 eine kleine Orgel der Fa. Riegner und Friedrich, Hohenpreißenberg, eingebaut werden, die sich harmonisch in die Empore einfügt und mit ihren sechs Registern den Gesang der Gemeinde mit vollem Klang unterstützt.

Am Eingang treten Sie auf eine achteckige Säule aus Schweizer Marmor des Gundelfinger Steinmetz Wolfgang Jakob zu (1990). Sie sollte ursprünglich der Taufstein der Kirche sein, dient jetzt aber vor allem als Weihwasserbecken und begrüßt den Besucher mit der Inschrift: „Ich habe dich beim Namen gerufen, mein bist Du.” (Jesaja, 43,1)

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