Tennenbacher Kapelle
Kurzer Abriss der Geschichte des Zisterzienserklosters Tennenbach
Der Ort Cîteaux, südlich von Dijon, hieß seit der Römerzeit „Cistercium". In dieser entlegenen Waldgegend gründete Robert von Molesme mit einigen Gleichgesinnten am Fest des hl. Benedikt, am 21. März 1098 eine neue Ordensgemeinschaft. Ihre Mitglieder nannten sich nach dem Ort ihres Neuanfangs „Zisterzienser". Die Gemeinschaft verstand sich als Reformorden, der an die Tradition der Benediktinermönche anknüpfen wollte. Dem 3. Abt Stephen Harding, einem Engländer, verdankt der Orden seine Verfassung, die Charta caritatis, frei übersetzt: ein monastisches Grundgesetz auf der Basis der Liebe. Ein zisterziensischer Wahlspruch lautet: „Super omnia caritas" – alles soll die Liebe umspannen.
Auf den sorgfältig behauenen Quadern sind mannigfache Steinmetzzeichen zu erkennen. Einige davon findet man auch am Freiburger Münster.
Errichtet auf einem einfachen, auf den Fundamenten hochgeführten Sockeln, umlaufen 26 aufgesetzte Blendarkaden die Wände - wie im Freiburger Münster, dort aber erst 200 Jahre später.
Der etwa 13 m lange und 6 m breite Innenraum wird durch die Gurtbögen in drei Teile gegliedert. Die Bögen setzen auf schmuckarmen Kapitellen an, die auf schlanken Diensten, also Säulen ruhen.
Kreuzrippengewölbe schließen den Raum nach oben hin ab. Von besonderer Ästhetik zeigt sich die klare Struktur der Kreuzrippen im Chorraum – ein sakrales Spiel mit Form und Raum.Von den acht Spitzbogenfenstern ist nur die mittlere Lichtöffnung im Chor – dort, wo das Kreuz steht - mit schlichtem Maßwerk versehen.
Klein, aber fein sind die konisch zulaufenden Schlusssteine verziert.
Die segnende und zugleich wie zum Schwur erhobene Hand von Gottvater – sie umfasst den Kreuzesbalken – begrüßt den Eintretenden. Das Schwurhand-Symbol des Alten Testamentes zusammen mit dem Kreuz, Symbol für das Neue Testament, will sagen: "Seht ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Mt 28,20). Dieses Symbol lässt sich in vielen Zisterzienserklöstern nachweisen.
Im Chorabschluss ziert den Stein das Lamm Gottes mit Kreuz und Triumphfahne des Auferstandenen. Johannes der Täufer hatte Jesus einst als „Lamm Gottes" bezeichnet. Aus der Apokalypse des Evangelisten Johannes kennen wir das „Lamm auf den Thron". Kurzum: ästhetisch ohne Prunk und – funktionsgerecht stellt sich uns diese Kapelle vor.
Der Dachstuhl hat ein Gebälk aus Schwarzwaldtannen, die in den Wintern 1526/27 geschlagen wurden. Das hat eine dendrochronologische Untersuchung ergeben. Wütende Bauern hatten nämlich im Mai 1525 den roten Hahn auch auf diese Kapelle gesetzt.
Durch die damalige fast völlige Verwüstung der Bauten einschließlich der alten Infirmerie stand ab jetzt die Kapelle räumlich getrennt vom Kloster. Nach Einführung der Reformation (1556) war Tennenbach mit seinen Laien-Handwerkerfamilien zu einer katholischen Insel im nun evangelischen Umland geworden. Die Kapelle wurde Pfarrkirche dieser Laiengemeinde, der jeweilige Prior ihr Seelsorger. Zeugnis vom Gemeindeleben geben die ab 1650 fast vollständig erhaltenen Kirchenbücher. Sie wurden erst 2011 wiederentdeckt.
Das Kirchlein war der Muttergottes geweiht (s. Inschrift über dem Portal: In honorem B[eatissi]mae Virginis Mariae hoc sacellum restauravit A.[ntonius Merz] A.[bt] Z.(ue) T.[ennenbach] 1721. Darunter über dem Türsturz sein Wappen mit dem Bienenkorb.
Der Mode der Zeit folgend ließ der „Restaurator" einen barocken Altaraufbau fertigen, vor dem eine Strahlenkranz-Madonna, gerahmt von zwei weiblichen Heiligen standen. In späteren Aufzeichnungen wird der Altar folgerichtig mal „Marienaltar" oder „Altar mit drei Statuen" genannt.
Über der Madonna hat Abt Antonius gleichfalls sein Bienenkorbwappen anbringen lassen. Darunter ist zu lesen: A.A.z.T. - wie an der Außenwand der Kapelle. Auch die Jahreszahl 1721 weist der Altar auf. Die Zahl befindet sich unter der mittleren Konsole, auf welcher der Schluss des lateinischen „Salve-Regina-Gebetes" zu lesen ist: „o clemens, o pia, o dulcis virgo Maria".
Die Fotomontage vermittelt eine Vorstellung davon, wie gut sich der 4,50 m hohe und 3,50 m breite Altar - ohne Rückwand im Mittelteil - in den Chorraum der Kapelle eingefügt hat. Vom Chorfenster her konnte so der Glanz der sommerlichen Morgensonne das lebensgroße Andachtsbild umfluten. Abt Antonius hinterließ uns mit der Kapelle, wie wir jetzt wieder wissen, ein restauratorisches Ganzstück, innen und außen erneuert. Die letzten Taufen und Eheschließungen wurden im Februar und März 1836 vor diesem Altar vorgenommen.1836 baute man den Altar ab und lagerte ihn in Freiburg ein. Um 1890 erwarb ihn der Freiburger Kunstprofessor Fritz Geiges, der ihn 1930 an das Augustinermuseum verkaufte. Dort ist er seit 2010 erstmals wieder vollständig zu sehen.
In Erinnerung an die Tennenbacher Marientradition wurde 2011 im Jubiläumsjahr „850 Jahre Zisterzienserkloster Tennenbach" die „Schwarze Madonna" feierlich wieder aufgestellt. Sie stammt vermutlich aus dem alten Kloster und hatte bereits von 1957 bis 1987 ihren Platz in der Kapelle. Als bei Restaurierungsarbeiten die Werkstatt des Künstlers abbrannte, hat sie starke Brandspuren davongetragen. Als Zeichen für die Vergänglichkeit allen Seins hat man sich entschlossen, sie in diesem Zustand zu konservieren und sie in die Kapelle zurückzubringen.
Von den Inschriften und Grabsteinen, die an der Westwand ihren Platz fanden, sollen zwei hervorgehoben werden:

Die Kapelle hatte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Türmchen. Das darin hängende Glöckchen, es wog 75 Kilogramm, lud die Pfarrgemeinde Tennenbach, die nie eine politische war, zu den Gottesdiensten ein. Es ist überliefert, dass ihr heller Klang jeden Mittwoch am frühen Nachmittag zu vernehmen war. Das bedeutete für die Bediensteten, dass sie zu einer Extraspeisung „Knöpfle" eingeladen waren. Als 1809 das Glöckchen an Mußbach verkauft wurde, behielt es bis zu seiner Einschmelzung im Jahr 1857 den Namen „Knöpflesglocke" bei.
Seit 1898 gehört die Kapelle zur Emmendinger Pfarrgemeinde St. Bonifatius, Andachtsraum für unzählige Gottesdienste, Andachten, Taufen oder Trauungen. So wird sie vielen Menschen gleichsam stellvertretend für das frühere Talkloster zur- „porta coeli" – zur Himmelspforte.











